Medien zählen die Loveparade-Opfer

Das Verhalten der Medien zum Thema Loveparade-Tragödie in Duisburg

Die Gewalt der Medien hat uns wieder in ihren Fängen. Was hätte mitten im Sommerloch nach Merkels Schön-Wetter-Rede zum Urlaubsbeginn auch besseres passieren können als eine Massenpanik bei der Loveparade mit bereits ganzen 20 Toten? Toll! Auch schön, dass die Medien nun viertelstündlich die neusten Erkenntnisse zum Ablauf der Schrecklichkeiten und den Opfern mit etliche Augenzeugenberichte senden.Wir haben selbstverständlich ein Recht darauf, zu erfahren, welch schreckliche Katastrophe in Duisburg geschehen ist. Wir müssen auch erfahren, wie dies überhaupt geschehen konnte und wer dafür zur Rechenschaft gezogen werden muss. Die Verbreitung dieser Aufgaben ist die Pflicht der Journalisten und der Redaktionen, die Kommentierung und Bewertung der Vorfälle deren Aufgabe und selbst erklärtes Ziel.

Doch die Penetranz der Berichterstattung, die Vielzahl der „wichtigen Meldungen“ über Details der Katastrophe, die Situation, dass jeder mittelklassige Lokaljournalist seinen Senf dazu geben muss, ist für mich unerträglich. Die Pflicht der Journalisten scheint für mich bereits übererfüllt. Mit ihrer ständigen Berichterstattung, wie bei einem Live-Event, setzen sie ein Thema in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses und nutzen damit ihre Macht und ihren Einfluss aus. Indem kontinuierlich und ausschließlich von den Veranstaltern als Ursache für die Tragödie berichtet wird, schaffen sie außerdem eine öffentliche Meinung. „Die Ermittlungen laufen noch.“ – Doch Köpfe sollen schon rollen. Das ist ganz klar ein Verstoß gegen unsere gesellschaftlichen Grundsätze.

Wir brauchen weiterhin Medien, die objektiv berichten und verantwortungsvoll kommentieren. Wir brauchen keine Panikmache und keine Hetzjagd auf Schuldige.

Fazit: Die Medien nutzten wieder schamlos ihre Macht aus und der Mensch muss sich allein gegen die Flut an Bildern, Berichten und Beurteilungen wehren.

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Eine Antwort zu “Medien zählen die Loveparade-Opfer

  1. Ich warte nur noch auf den neuen Enya Song und die Schadensersatzforderungen (vielleicht analog zur „Bahnhitzeprämie“ 500 Euro?“. Wirklich interessant, wie sehr die Menschen das Bedürfnis zum Erleben „gemeinsamer“ (wenn auch artifizieller) Gefühle und Rituale haben. Die Religion hat versagt;-)

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