Land unter in Pakistan

Die Ausmaße der Monsun-Überschwemmungen in Pakistan sind unvorstellbar. Der Übertritt des Indus über die Ufer zerstörte den Lebensraum von 20 Millionen Menschen. In einer der ärmsten Regionen Asiens trifft die Naturkatastrophe besonders die Armen und Hilflosen und reißt das Land in eine schwere Krise. Ein Achtel der Bevölkerung ist obdachlos geworden, das politische System verliert an Vertrauen und die Taliban befindet sich nach wie vor im Land und bedroht den Frieden und die Stabilität Pakistans. Welche Entwicklung vollzieht sich nun nach der Flut in diesem Land und welche Richtung strebt sie in Zukunft an? Ist Pakistan noch zu retten oder läuft sie hoffnungslos in die Fänge der radikalen Islamisten?

In der Tat verstärken die sintflutartigen Niederschläge soziale und wirtschaftliche Probleme. Den Menschen, die ihr Haus und ihr Land, und somit ihre Lebensgrundlage, und sogar Familienangehörige verloren haben, bleibt nur die Flucht. Die Binnenmigration der Menschen in die großen Millionenstädte wie Karatschi, Lahore oder Faisalabad, verschärft die Lage in den Metropolen. Das Leben in Slums oder Flüchtlingslagern bietet den Menschen aufgrund der schlechten Gesundheitsversorgung und fehlender Bildungsmöglichkeiten keine Aufstiegschancen und bleibt eine Sackgasse. Doch die Hoffnungslosigkeit und der Traum nach einem besseren Leben führt sie in die Städte und dann meist auch in die Kriminalität und die Hände der Taliban. In die geschwächten und untereinander zerstrittenen demokratischen Parteien sinkt das Vertrauen der Bevölkerung umso mehr, je größer der Einfluss der radikal-islamistischen Gruppen oder gar der Armee ist, die die Erstversorgung und das Hilfsmanagement gestalten. Die Arbeit der Regierung tritt in den Hintergrund und aus dem öffentlichen Bewusstsein der hilfebedürftigen Menschen.

Auch auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung kann man sich nicht verlassen. Die stark vom Export von Textilwaren abhängige Marktwirtschaft wird unter den überschwemmten Baumwollfeldern besonders leiden und die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung hemmen. Schlimmer für die Bevölkerung werden sich die Ernteausfälle und die damit einhergehenden Preiserhöhungen auf Lebensmittel auswirken. Hunger und Armut in der Landbevölkerung tun damit ihren Anteil, um die politische Lage zu destabilisieren.

Im Interesse der internationalen Gemeinschaft mit Blick auf die Erstarkung der Taliban in Pakistan ist die Welle der Unterstützungszusagen durchaus verständlich. Durch Lieferungen von Nahrungsmitteln, medizinischer Versorgung und Trinkwasseraufbereitungsanlagen versucht man die schlimmsten Missstände und größten Nöte der Menschen zu lindern. Trotz der höchsten Korruptionsrate in Asien laut Transparency International werden Hilfsgüter über eine unabhängige Kommission verteilt und erreichen so hoffentlich die wirklich Bedürftigen.

Doch die Herausforderungen der Politik werden mit dem Rückgang der Überschwemmungen wie Schlammmassen an die Oberfläche kommen. Dann muss sich die Regierung beweisen, dem Druck des Militärs, der Taliban und nicht zuletzt der Bevölkerung standhalten und ihr Land wieder aufbauen. Große Anstrengungen sind dazu nötig, doch wenn man die Defizite in der Bildung (besonders die der Frauen) und der Gesundheitsversorgung aufholt sowie die Energieversorgung mittels regenerativer Energien und verbesserter Energieeffizienz auf eine sichere Basis stellt, wird auch das Vertrauen in das demokratische System wieder wachsen und den Menschen Perspektive und Hoffnung geben. Auch bietet die Katastrophe Pakistan die Chance, das angespannte Verhältnis zu Indien zu lösen und so wirtschaftlich von einer politischen Annäherung beider Länder zu profitieren und die Lebensgrundlage vieler Menschen zu sichern.

Pakistan nach der Flut – Bericht der Stiftung Wissenschaft und Politik

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